Es ist der 15. Dezember 2024, kurz nach 17 Uhr, als von der kleinen Bühne am Liebfrauenplatz der lateinische Hymnus „Adeste Fideles“ ertönt. Noch etwa zehn Minuten zuvor schleppt der Pianist Yannick Zirngibl sein schweres Stage-Piano mit fleißigen Helfern durch die Menschenmenge. Der Sänger Herbert Wüscher, ein blinder Tenor, ist bereits eingetroffen. Aufgrund seiner Fallneigung reist er wie üblich im Rollstuhl an – begleitet von einem Freund. Einige helfende Hände heben ihn samt Rollstuhl und seiner markanten Stimme auf die Bühne.
Der Pianist begrüßt das Publikum, berichtet kurz über den vorangegangenen Hymnus und kündigt „O holy night“ an – ein geistliches Lied mit der zutiefst menschlichen Botschaft:
„Der Sklave wird zum Bruder, die Tyrannei hat ein Ende und die Liebe siegt!“
Anschließend ergreift auch der Tenor das Wort. Er berichtet von Bräuchen aus seiner fränkischen Heimat und davon, wie Heiligabend in seiner Kindheit gefeiert wurde. Danach singt er ein Lied aus seiner Kindheit: „Wünsche und Gedanken“ von Roy Black. Während Herbert Wüscher mit „Can you feel the love tonight“, „Can’t help falling in love“ und „Hallelujah“ von Leonard Cohen immer mehr Begeisterung im Publikum entfacht, überzeugt auch Yannick Zirngibl mit seiner gekonnten Interpretation von „Blue Blue Christmas“, „The Christmas Song“ von Mel Tormé sowie „Your Song“ von Elton John. Angelockt von der Musik versammeln sich immer mehr Menschen vor der Bühne auf dem Weihnachtsmarkt – einige zücken ihre Handys und filmen.
Der Tenor ist stimmlich voll in Fahrt, doch statt ausschließlich auf seine kräftige Stimme zu setzen, interpretiert er das Stück „Die Rose“ von Bette Midler (auf Deutsch gesungen) mit sinnlichen, gefühlvollen Klängen – Gänsehaut pur. Er setzt noch einen drauf: Der blinde Wüscher, der bei Sonnenschein vielleicht ein paar Handbewegungen wahrnehmen kann, singt „What a wonderful world“ – ein Lied von grünen Bäumen, roten Rosen, blauem Himmel und den prächtigen Farben des Regenbogens. Hier zeigt der Künstler eindrucksvoll, dass er auf seine Weise sehen kann. Er sieht und singt mit seinem Herzen und wird so seinem Ruf als leidenschaftlicher Tenor gerecht: Herbert Wüscher – Il Tenore Appassionato.
Mit „You raise me up“ verbinden die beiden Künstler die klassisch ausgebildete Tenorstimme von Herbert mit dem Jazz- und Pop-Rock-Stil von Yannick in einem Duett. Der Tenor übernimmt die erste Strophe, der Pianist die zweite. Gemeinsam singen sie den Refrain kraftvoll, setzen bei den Tonrückungen noch einmal richtig nach und bringen genau die Energie, die dieses Stück benötigt. Das Experiment gelingt – das Publikum ist begeistert und belohnt die Künstler mit langanhaltendem Applaus und Jubelrufen.
Zum Schluss folgt „Panis angelicus“, ein geistliches Lied aus der feierlichen Messe von César Franck – bei dem sich das Brot der Engel in das Brot der Armen verwandelt. Dieses musikalische Gebet soll kein ferner Traum oder ein Märchen bleiben. Deshalb werden ab sofort für ein Jahr von jedem Download, der über die Website www.herbertwuescher.com erfolgt, 20 Cent direkt an die Tafel in Mainz und Wiesbaden gespendet – sowie 1 EUR von jeder verkauften CD.
Im Anschluss folgen die beiden Zugaben „Winter Wonderland“ und „I’m dreaming of a White Christmas“. Das Publikum ist jedoch nicht zufrieden und fordert weitere Zugaben. So werden noch einmal die beiden Highlights wiederholt: „Die Rose“, „What a wonderful world“ und als dritte Zugabe „Can you feel the love tonight“, da zwei Zugaben dem Publikum offensichtlich zu wenig waren.
Am Nachmittag des Heiligabends werden Herbert Wüscher und Yannick Zirngibl auf Anfrage des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Wiesbaden musikalische Unterhaltung bei einer Weihnachtsfeier für Einsame und Obdachlose bieten. Nach den Benefizkonzerten für Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2023 und 2024 ist dies erneut ein Zeichen ihrer sozialen Unterstützung. So unterschiedlich die beiden Musiker auch sein mögen – sie haben eines gemeinsam: ein Herz für die Menschlichkeit
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Kurzzusammenfassung:
Am 15. Dezember 2024 begeisterten der blinde Tenor Herbert Wüscher und der Pianist Yannick Zirngibl auf dem Weihnachtsmarkt am Liebfrauenplatz mit einem emotionalen Konzert. Mit Liedern wie „Can you feel the love tonight“, „Die Rose“ und „Panis angelicus“ sowie instrumentalen Klassikern lockten sie zahlreiche Zuschauer an. Ihre musikalische Vielfalt, von geistlichen Hymnen bis Pop-Balladen, und ein stimmgewaltiges Duett überzeugten das Publikum, das mit tosendem Applaus reagierte. Zusätzlich fließen Einnahmen von Downloads und CD-Verkäufen in soziale Projekte. Am Heiligabend treten die Künstler für den CVJM Wiesbaden auf, um Einsame und Obdachlose zu unterstützen.
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